MATZE-TOURS

1996

Das Abenteuer liegt nicht auf der Straße, sonderen im Fjäll

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Goldrute
Goldrute

Sarek
August 1996

Ritsem - Padjelantaleden - Kisuriskåtan - Ruotesvagge - Smajla - Alkanjalme - Akkavagge - Ålkati - Alkavagge - Alkajaure - Njatjosvagge - Luottojåkkå - Tjeurajaure - Pårte - Pårek - Kvikkjokk, 134 km

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Die Tour-Karte
Die Tour im Überblick

Tag 1: Ritsem - Padjelantaleden, 8 km

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Meine Teilnehmer sind nicht so ganz glücklich. Regnerisch sieht der Himmel über Ritsem aus, und das gefällt ihnen gar nicht. Schlechtes Wetter, sagen die Wanderwilligen und wollen sich von ihrem Guide partout nichDie Brücke über den Vuojatätnot trösten lassen. "Immer wenn es nicht regnet, ist gutes Wetter", versuche ich ihnen klar zu machen, als wir gegen 15.30 Uhr los marschieren. Ohne Erfolg. Folglich drückt nicht nur der Rucksack auf die untrainierten Schultern, sondern auch das Wetter auf die Stimmung. Das aber gibt sich spätestens vor der Brücke über den Vuojatätno. Man schaut und staunt über die Erstes Lager am Sinjuftutisungestüme Wasserkraft, die dort tosend Richtung Akkajaure schießt.    Wir folgen dem Padjelanta-Leden Richtung Süden und wollen versuchen, am üblicherweise schwierigen ersten Tag so weit wie möglich Richtung Kisuris-Hütte zu kommen. Das ist nicht so einfach, weil die Rucksäcke für 17 Tage gepackt und damit elendsschwer sind. Also sind wir nach kurzer Zeit nassgeschwitzt. Usere Mittagsrast am Weg dient vornehmlich einem Ziel, den Rucksack zumindest ein klein wenig leichter zu essen. Einem hübsches Plätzchen zwischen großen Findlinge westlich des Sinjuftutis-Berges können wir um etwa 20 Uhr nicht widerstehen: Wir schlage unser erstes Lager auf.

Tag 2: Padjelantaleden - Kisuriskåtan, 13 km

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Alles hängt voller Wolken. Das sorgt für eine wildromantische Morgenstimmung, die GrupAm Sinjuftutisbach entlange ist dennoch überzeugt: Das ist schlechtes Wetter. Wir ziehen natürlich dennoch weiter. Immer den Padjelanta-Weg entlang. Nach kurzer Zeit und einer angenehmen Etappe erreichen wir den Drei-Parks-Punkt kurz vor der Kisuris-Hütte. Klar, dass wir vor den drei Tafeln, die über die Nationalparks informieren, die hier aneinandergrenzen, ein Gruppenfoto schießen. Wir rasten am Ufer des Baches und genieße die Sonne, die ab und an auf uns herabstrahlt. Nach langer Pause verlassen wir den Padjelanta-Weg und ziehen Liegeplatz mit Akka-Blickweiter nach Osten. Links voraus wächst das Akka-Massiv in die Höhe, rechts begleitet uns Kisuris.  Die Landschaft verändert sich. Offenes Gelände lässt den Blick schweifen bis hinüber zum Niak, dem äußersten Vorposten des westlichen Sarek-Massivs. Die 14 Mann starke Truppe verteilt sich großflächig im Gelände - die Renner vorneweg, die Genießer hintendrein. Ein Rauhfußbussard kreist über uns, und alle sind mehr und mehr guter Dinge. Die Strecke ist aufgrund ihrer geringen Steigungen sehr leicht zu bewältigen - ein zwar langer, aber sehr bequemer Sarek-Einstieg. Ehe wir uns versehen, steht die alte Kisuris-Kohte vor uns, und wir haben unser Tagesziel erreicht. Eine kleines Plateau bietet mehr als genug Platz für unsere sieben Zelte. Wir erleben einen grandiosen Sonnenuntergang und verschwinden dann ganz schnell in den Zelten, weil es empfindlch kühl wird. Wir kochen in den Vorzelten und schauen nach Westen in den glühenden Abendhimmel.

Tag 3: Kisuriskåtan - Ruotesvagge, 14 km

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Heute wollen wir in den zentralen Sarek vorstoßen. Also schwenken wir ab nach Südosten und marschieren links am Niak vorbei ins Ruotesvagge hinein. Kurz davor geraten die Renner unserer Gruppe ins HiRast am Niakbachntertreffen, nachdem sie erkennen mussten, dass sie völlig unnötigerweise den Niakjåkkåti überquert haben. Macht nichts. Kurze ZeNasser Spaß im oberen Smailait später sind wir wieder vereint und stoßen immer tiefer ins Ruotesvagge vor. Inzwischen trübt es sich wieder ein, und wir erleiden einen Regenguss, der sich allerdings rechtzeitig vor der Mittagsrast an der Renwächterhütte wieder verabschiedet. Glück gehabt. Ein Regenbogen versüßt uns die Pause an der verschlossenen Renwächterhütte. Wir marschieren weiter und staunen über die steilen Bergflanken und Gletscherabbrüche zu unserer Linken im mächtig steilen Sarek-Massiv. Gebannt stehen wir vor dem Ruotesgletscher und bibbern in der Kälte, die er uns zubläst. Noch mehr gebibbert wird allerdings beim Durchqueren des Gletscherbachs, der uns die ersten vor Kälte roten und schmerzenden Füße beschert. Ungefähr in der Mitte des Tals bauen wir dann die Zelte auf.

Tag 4: Ruotesvagge - Smajla, 9 km

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Der Himmel ist wieder sehr bedeckt, die Teilnehmer murren. Unser Marsch bleibt weiterhiDer Mikka-Gletschern einfach, von gelegentlichen leichten BachüDer Smaila gräbt sich sein Bachbettberquerungen abgesehen. Wir folgen dem Ruotesvagge nach Osten immer weiter ins Herz des Sarek hinein. Vor allem links neben uns werden die Berge immer höher. Das Sarek-Hauptmassiv zieht uns mehr und mehr in seinen Bann.  Am Nachmitag erreichen wir die mmer noch sichtbaren Reste der alten Mikkahütte. Die stand früher ein gutes Stück nordwestlich der neuen Hütte am Westhang des Skarjatjåkkå. Als wir die tatsächliche Hütte an der Brücke über den brodelnden Smaila erreichen, stellen wir fest: Der Ort trägt seinen Namen zurecht - Smaila-Treffen. Hier trifft man sich im Sarek, weil sich an der Brücke die wichtigsten Ost-West-Routen im Park bündeln. Mehrere Zelte sind bereits aufgestellt, wir suchen uns einen Platz etwas abseits.

Tag 5: Smaila, 0 km

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Wir haben für heute einen Ruhetag eingeplant. Das Wetter ist zwar noch düsterer als gestIm Sarekmassiv vor der Schwarzen Spitzeern, aber wir ziehen dennoch los. Wir wollen in die Berge, zumindest ein Stück weit den wolkenverhangenen Sarekgipfeln näher kommen. Auch ohne Wolken wären die von Süden aus nicht zu erklimmen - sie sind zu steil. Macht nichts. Wir klettern im Rekordtempo auf den Matuålke gleich nordöstlich der Hütte und werden mit erstaunlich weiten Aussichten belohnt. Im Süden unter uns überblicken wir das obere Rapadalen mit den Skarja-Sümpfen. Und gleich vor uns im Norden stecken die höchsten Sarek-Gipfel im Nebel. Nur die Schwarze Spitze voraus ist deutlich zu erkennen. Weil wir neuTrinkpause über dem MIkkagletschergierig auf den Mikka-Gletscher sind, steigen wir ab über die steile Westflanke des Berges. Dort finden wir eine Quelle, an der wir unseren inzwischen recht großen Durst stillen und kämpfen uns durch die nassen Blockfelder nach unten.  Auf Höhe der Gletscherzunge erreichen wir die Talsohle. Schmutzig-grau ist die Gletscherhaut, Steine liegen auf dem Eis. Unmittelbar vor dem Gletscher sieht die Zunge aus wie eine erstarrte Riesenwelle (schauder!). Beeindruckend öde und trostlos ist die riesige Fläche auf sich der schrumpfende Gletscher in früheren Jahren zu Tale gewälzt hat: Zermahlener Felsschutt so weit das Auge reicht. Auf dem Heimweg zum Lager bei der Hütte erwischt uns ein Regenschauer kalt. Es sollte nicht der letzte sein an diesem Tag. Den restlichen Tag verbringen wir gemütlich mit Spaziergängen entlang der scharf eingeschnittenen Schlucht, in der der Smaila wütet. Wir sind froh, dass es die Brücke gibt. Als wir längst in den Schlafsäcken liegen, fegt ein heftiger Sturm über uns hinweg, der sechs von unseren sieben Zelten flach zu Boden drückt. Ein Umzug in eine geschützte Senke lässt sich nicht vermeiden. Wir werden nass bis auf die Knochen, aber die Zelte bleiben heil und stehen wieder.

Tag 6: Smajla - Akkavagge, 9 km

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Als wäre nichts gewesen lacht uns am Morgen die Sonne an. Fast vergessen ist der nächtliche Sturm, nur die zum Trocknen aufgehängten Kleider erinnern noch daran. Die Sarek-Berge strahlen uns an, unFrühsport vor den höchsten Sarekgipfelnd kein Wölkchen trübt den Blick. Was für ein Start in den Tag! Wir halten auf das Westende der Skarja-Sümpfe zu. Das Alkavagge ist unser Ziel. Die Gruppe marschiert den Hang entlang, der das Ruotesvagge vom oberen Rapadalen trennt. Das Tempo ist sehr uneinheitlich, die Teilnehmer verteilen sich wieder entlang der Strecke. Irgendwann ist der Abstand von der Spitze zum Schlusslicht allerdings zu groß. Beim Warten wird klar, das Cordula nicht mehr weiter kann. Sie hat Schmerzen im Bein. Vor ein paar Tagen ist sie umgeknickt, jetzt kann sie nicht mehr auftreten. Selbst ohne Rucksack kann sie nur unter Schmerzen weiter. Es hat keinen Sinn. Cordula muss raus. Die Entscheidung fällt uns nicht leicht. Wenigstens ein Trost bleibt uns: Wir sind noch sehr nahe an der Mikka-Hütte und ihrem Nottelefon. Also stützen wir Cordula, die mit uns zurückhumpelt. Der Rest der Gruppe wartet am Kuoperjåkkå.  ABlick auf den Skarjatjåkkån der Hütte verständigen wir mit Hilfe eines schwedischen Wanderers die Rettungswacht im fernen Gällivare und warten. Etwa eine Stunde später hören wir das Dröhnen des Hubschrasubers. Und dann geht alles ganz schnell. Das rote Ungetüm landet neben der Hütte. Zwei Mann springen raus, einer untersucht Cordulas Knie, wir verabschieden uns, und der Heli hebt ab. (Cordula kommt lange vor uns wieder Zuhause an. Nach einer Untersuchung im Krankenhaus fährt sie mit dem nächstmöglichen Zug wieder nach Deutschland. Ihr Knie ist wieder in Ordnung. Den Flug musste sie auch nicht bezahlen.) Wickie und ich staunen über de großen Hubschrauber, der vor dem Hintergrund der Sarekberge zum Insekt wird, dann gehen wir zurück zur wartenden Gruppe. Die Stimmung ist bedrückt - Abschied von Cordula, die den Marsch durchs Fjäll so offensichtlich genossen hatte und alle Eindrücke in sich aufzusaugen schien. Rucksäcke werden umgepackt (wir haben jetzt eine Dreier-Gruppe), und dann geht's weiter. Das Wetter lässt nach, als wollte es die Stimmung der Gruppe unterstreichen, und wir überqueren den Kuoperjåkkå im Nieselregen. Kein allzu großer Spaß. Die Renwächterhütte am Westende des Alkavagges ist zwar offen, aber viel zu klein für uns 13. Wir lagern ein gutes Stück oberhalb von ihr am Eingang zum Akkavagge, einem kleinen, aber steilen Seitental.

Tag 7: Ålkatj, 0 km

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 Wie man sich doch täuschen kann. Der Tag hatte wirklich keinen vielversprechendeTief unter uns das Rappadalenn Anfang. Regen, Regen, Regen. der größere Teil der Gruppe kann sich dennoch dazu durchringen, auf Tour zu gehen. Der ruhigere Rest nimmt den Ruhetag wörtlich und bleibt in den Zelten. Die Unentwegten steigen das steile Akkavagge hinauf. Kein Zuckerschlecken, denn es geht zwei Stunden lang über nasse Blockfelder. Das erfordert viel Vorsicht und Konzentration. Vier von uns kehren wieder um. Der Rest erreicht endlich die Schneefelder östlich des Akkagletschers. Von dort geht es richtig steil hinauf zu einem kleinen See direkt unterhalb des Jåkåtikaskagletschers. Fasziniert rasten wir am Ufer des eisigen Gewässers und betrachten die Schollen im türkisfarbenen Wasser. Inzwischen hat sich die Sonne durch die Wolken gekämpft. Wir fühlBlick vom Axel-Hambgergs-Topp auf die Sarekgipfelen uns reich belohnt für unsere Mühen. Wir steigen auf den Gletscher und marschieren fortan im Eis. Nach und nach tauchen Bergspitzen am Horizont auf. Piellorieppe  im Süden, Skarki im Osten und schließlich das Sarek-Massiv in ganzer Pracht im Norden. Eine Vielfraßspur im Eis findet unsere Beachtung, während wir Schritt für Schritt den Axel Hambergs Topp umrunden. Inzwischen stehen wir auf dem Ålkatj-Gletscher. Carsten und ich, wir trennen uns von der Gruppe und nehmen den Topp in Angriff. Bei schönstem Sonnenschein steigen wir die langgezogene Ostflanke hinauf. Auf dem Gipfel (1827) haben wir fast den gesamten Nationalpark unter uns. Der Ausblick ist überwältigend und reicht im Nordosten bis über den Slugga und damit weit über die Grenze des Parks hinaus. Wir schauen weit ins Rapaselet hinab und können die Gipfel um uns herum kaum zählen. Gut 400 Meter unter liegt der bereits erwähnte Gletschersee mit seinen Eisschollen wie ein Kunstwerk zwischen Schatten und Sonne. Beim Abstieg halten wir uns etwas nördlicher und staunen über die gewaltigen Eisbrüche an der Südostflanke des Skårvatjåkkå. Zwischen ihm und dem Axel Hambergs Topp steigen wir wieder hinunter ins Akkavagge. Nach knapp zehn Stunden erreichen wir zusammen mit dem Rest der Gruppe wieder den Lagerplatz. Die Tatsache, dass jeder von uns mit gerade mal einer Handvoll Schokolade und Nüssen ausgekommen ist, beweist den "Nährwert" der Eindrücke auf dieser Bergtour, die für mich die bislang schönste Gipfeltour im Sarek war.

Tag 8: Akkavagge - Alkajaure, 14 km

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Ein denkwürdiger Tag - in zweifacher Hinsicht. Ab heute sollte es bis zum letzten Tag Der Fußballplatz im Alkavaggeder Tour nicht mehr regnen. Kein leichter Stand für den scheinbar so erfahrenen Guide, der sich jetzt von seinen Teilnehmern aufklären lassen muss: "Das ist schönes Wetter", sagen sie. Soll ja recht sein. Wir nutzen das Wetter für unseren längsten Marschtag: Knapp zehn Stunen lang sind wir unterwegs durchs lange Alkavagge. Weil wir nach dem Tal nach Süden abbiegen wollen, meiden wir die vergleichsweise vielbegangene Nordseite und verzichten somit auf den dortigen Trampelpfad. Anfangs ist das kein Problem. Denn im Osten gleicht das Alkavagge einem riesig langen Fußballplatz - ein Trogtal par excellence, fast schon unwirklich flach. Das WDickicht im westlichen Alkavaggeandern wird zum Genuss. Ungefähr ab der Hälfte aber, wird die Tour sehr beschwerlich. Dichtes Buschwerk hemmt das Vorankommen. Wir lernen: Der Trampelpfad verläuft nicht grundlos im Norden. Die Gruppe verliert sich fast  im Dschungel, man sieht sich so gut wie nicht. Zum Ausgleich verwöhnt uns das Wetter (fast schon zu sehr). Zwischen 15 und 18 Uhr liegen wir faul und äußerst leicht bekleidet in der Sonne nahe an einem Schneefeld, dass uns das nötige Eis für unsere improvisierten Milkshakes liefert. Lappland kann ganz schön heiß sein. Dennoch: Wir haben noch ein weites Stück vor uns. Am Südufer des Alkajaures wartet wieder dichtes Buschland auf uns, und wir haben unsere liebe Müh' damit. Erst nach insgesamt gut neun Stunden Marsch erreichen wir unser Tagesziel: ein lauschiges Plätzchen knapp oberhalb des Sees und in der Nähe der Alkahütte.

Tag 9: Alkajaure - Skiejakjauratj, 8 km

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Der Morgen will nicht so recht erfrischend auf uns wirken. Schließlich steckt uns noch deDer Alkajaurer zwar schöne, aber eben doch sehr lange Marsch vom Vortag in den Knochen. Weil aber wieder die Sonne strahlt - und meine Teilnehmer scheinen das langsam selbstverständlich zu finden - fällt mir die Überwindung nicht ganz so schwer, und ich nehme ein morgendliches Bad im doch recht frischen Alkajaure. Das braucht seine Zeit, vor allem das Hineinwaten (schauder!), aber noch sind die meisten Teilis eh nicht wach. Heute geht's nach Süden. Immer an der Grenze Lagerplatz am Skiejakjauratjzwischen Padjelanta und Sarek entlang. Wir erreichen die Renwächterhütte am Tjågmåskaite, eine Stelle, die ich mittlerweile zum dritten Mal besuche. Dort stoßen wir auf den unmarkierten Trampelpfad, der uns hinauf ins obere Njatjosvagge führen soll. Und dann stoßen wir auf etwas, das wir bislang sorgsam gemieden haben: eine Steigung. Der Hang vor den beiden kleinen Seen Tjågnårisjauratj und Skiejakjauratj schafft uns. Die Gruppe verteilt sich wieder großzügig entlang der Strecke, und es dauert eine ganze Weile, bis alle den Aufstieg bewältigt haben. Wir marschieren bei (muss ich es sagen?) bestem Wetter bis zum Nordufer des Skiejakjauratj, wo wir auf etwa 990 Meter Höhe unser bislang höchstgelegenes Lager aufschlagen.

Tag 10: Skiejakjauratj, 0 km

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Heute ist Ruhetag. Ein Teil der Gruppe nutzt ihn für einen Aufstieg auf den schneeZu Tisch am Skiejakjauratjbedeckten Vassjapakte (1735). Ich beschließe dagegen, meinen Knien etwas Ruhe zu gönnen und verbringe den Tag in erster Linie auf meiner Isomatte in der Sonne liegend. Irene gönnt meinen verspannten Rückenmuskeln eine Massage, danach herrscht Ruhe am Lagerplatz. Einen ganzen Nachmittag lang ist nicht viel mehr zu hören als das Plätschern des Bachs, ein paar Insekten und Vögel. Das gibt es so Zuhause nicht. Abends versammelt sich eine gut gelaunte Koch- und Essrunde vor meinem Zelt. Die Firma Trangia hätte beim Anblick ihrer Sturmkocher in Reih und Glied sicher ihre wahre Freude gehabt. Zwei Ausblicke faszinieren uns: der nach Südwesten zum eigentlichen Njatjosvagge, wo die Welt nach dem Pass zwischen Skiejakvaratj und Tjånåisjåkkå Plötzlich zu enden scheint. Dahinter ist nur noch Himmel. Der zweite Blick geht nach Westen, wo wir einen flammenden Abendhimmel bestaunen. 

Tag 11: Skiejakjauratj - Luottjåkkå, 13 km Tag

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Sonne (was sonst?) treibt uns aus den Zelten. Wir steigen hinauf zum Pass und genießen denIm oberen Njatjosvagge Blick auf das enge obere Njatjosvagge mit seinen langgezogenen Seen. Am Nordufer des obersten Sees wir der Pfad deutlicher, allerdings empfinden wir das kaum als geschmälerte Wildnis. Denn erstens treffen wir den ganzen Tag lang keine Menschenseele im Tal, zweitens ist das NRast am oberen Njatjosjaurejatjosvagge derart eng, dass es ohnehin keine Alternative gibt. Wir gönnen uns eine ausgiebige Rast am Seeufer auf einer sonnigen Wiese direkt an einem kleinen Bach. Das Leben kann so schön sein! Auf dem Wasser glitzert die Sonne als  wären Sterne im See. Immer wieder schauen wir auf den Pulkas, einen scharf geschnittenen Gipfel, der zusammen mit dem Vassjapakte, die Engstelle im Tal markiert. Nach dem unteren See kommen wir an einen steilen Hang. Wir schauen hinunter aufs untere Njatjosvagge und staunen über die deutlich ausgeprägtSchwierige Furt durch den Luottojåkkåere Vegetation. Der Weg führt aber oberhalb an der Nordseite des Tals entlang weiter nach Südosten. Dann, nach einer weiteren Stufe, stoßen wir auf ein ernsthaftes Hindernis, den Luottojåkkå. Der Bach entwässert einen Großteil der  Hochebene Luottlakko und ist recht gewaltig. Von der auf meiner alten Karte eingezeichneten Brücke sind nur noch unbrauchbare Reste zu finden. Wir müssen furten. Wie mittlerweile üblich scheint die Sonne und liefert einen angenehmen Rahmen. Allerdings wird der Übergang zu einem der schwierigsten überhaupt. Der Bach hat eine ungestüme Kraft, die sogar die dünnen Wanderstöcke nach hinten reißt. Im Hauptstrom bekommt es jeder von uns mit der nackten Angst. Wir helfen uns gegenseitig, brauchen viel Zeit, kommen dafür aber alle heil ans andere Ufer. Wir sind ganz schön geschafft und schlagen unsere Zelte auf. 

Tag 12: Luottojåkkå, 0 km

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WRuhetag im mittleren Njatjosvaggeeil wir nicht früher als geplant den Sarek verlassen wollen, legen wir heute einen erneuten Ruhetag ein. Meine Knie schmerzen, und ich gehorche der Vernunft: Ich bleibe im Lager. Die meisten allerdings gehen auf Tour und steigen hinauf auf die Hochebene Luottolakko. Dort oben erklimmen sie einen kleinen Hügel, von dem sie die reichlich unebene Hochebene überblicken. Später berichten sie von riesigen Rentierherden, die dort oben umherstreifen. Unten im Lager tut sich hingegen nicht viel. Wir sind völlig ungestört, anscheinend ist das Njatjosvagge unter den Sarekwanderern nicht sehr populär. Wir liegen faul in der Sonne, schließlich ist das hier Urlaub!

Tag 13: Luottojåkkå - Ruopsokjåkkå, 8 km

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Wir steigen hinunter ins tiefer gelegene grüne Njatjosvagge. Zum ersten Mal macht sGepäcktransfer am Palkatjåkkåich leichter Abschiedsschmerz bemerkbar. Mit jedem Höhenmeter entfernen wir uns von unserer gewohnten Sarek-Umgebung. Die Landschaft erinnert langsam, aber sicher immer mehr an das grüne Land um Kvikkjokk. Dichtes Gebüsch umgibt uns, aber der Pfad ermöglicht ein flottes Tempo, wenn man ihn nicht verliert. Es ist schwül, und wir schwitzen wie verrückt. Wir erreichen die Njatjoshütte und ziehen weiter, mittlerweile nur noch auf etwa 640 Meter Höhe. Richtig abenteuerlich wird es am Nachmittag, als wir an den Palkatjåkkå kommen. Wir entscheiden uns für einen Übergang auf Raten. Die ganz Mutigen wagen einen beherzten Sprung über eine felsige Engstelle zwischen Felsen durch die der Bach hindurch strömt. Danach werfen wir diHerrschaftliches Anwesen mit Blick auf Ryggåsbergete Rucksäcke übers Wasser. Eine zeitraubende, aber sehr effektive Methode. Nur ein Turnschuh hat Pech. Weniger zum Ärger der Eigentümerin als zu Gunnars, der einen gewagten, aber leider erfolglosen und sehr nassen Rettungsversuch unternimmt. Der Schuh geht ebenfalls Baden und verschwindet auf Nimmerwiedersehen. Wer nicht springen will, durchquert den Bach etwas weiter unten an einer zwar recht tiefen, dafür aber sehr ruhigen Stelle. Weil uns die Felsterrassen am Ufer so einladen, rasten wir sehr ausgiebig und nehmen erneut ein langes Sonnenbad. Auch an diesem Tag entstehen Fotos von äußerst leicht bekleideten Wanderern, die so gar nichts mit Lappland zu tun haben wollen. Wir marschieren weiter bis über die Renwächterhütte hinaus, wo wir auf einer Anhöhe einen zauberhaften Lagerplatz finden. Der Blick reicht zurück über das Njatjosvagge hinweg bis hin zum Ryggåsberget. Und noch etwas finden wir: Jede Menge Pilze, aus denen wir ein schmackhaftes Abendessen bereiten. Die erste frische Nahrung seit Tagen! Und noch etwas überrascht: Abends fallen ein zwei Tropfen vom Himmel. So was!

Tag 14: Ruopsokjåkkå - Tjeurajaure, 13 km

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Weil es doch so heiß ist in Lappland, sind wir heute sehr zeitig aufgestanden, und schonAufstieg zum Säkok um 9 Uhr abmarschbereit. Wir haben die Steigung hoch zum Skiejakjauratij noch gut in Erinnerung und wollen den Säkok noch vor der Mittagshitze hinter uns bringen (eine Überlegung, die ich sonst eher in Griechenland anstelle). Die 400 schweißtreibenden Höhenmeter schaffen wir zu unser aller Überraschung recht schnell. Vielleicht sind wir trainiert genug, vielleicht sind die Rucksäcke mittlerweile leicht gefuttert oder beides. Schon um die Mittagszeit erreichen wir unser Tagesziel: den Tjeurajaure vor der Felswand Tjeuramåske. Das Abschiedsgefühl der VoLager am Tjeurajaurertage ist verschwunden, wir sind wieder auf Höhe (1030 Meter)! A propos Höhe, die Versuchung ist natürlich zu groß. Kaum sind die Zelte aufgebaut starten einige von uns zum Gipfelsturm. Schließlich lockt der Nahe Pårte im Norden, der wohl am leichtesten zu besteigende 2000-er im Sarek. Der Weg führt über die weite Hochfläche voller Felsen und Blockfelder, auf denen einst ein Gletscher lag. Wir wollen es uns leicht machen und peilen eine Bergflanke an, die gleich westlich der kleinen Tjeuraseen nach oben führt. Der Aufstieg ist nicht  anspruchsvoll, aber lange und sehr anstrengend. Es geht ständig über loses Gestein. Oben auf dem Grat auf etwa 1800 Meter Pårte-Gipfel und LuottlakkaHöhe erwartet uns ein äußerst ungewohnter Anblick: Hütten und Antennen. Wir stehen vor dem Pårtetjåtkkå ObservaFlotter Abstieg vom Pårtetjåkkåtorium. Nach insgesamt zwei Stunden und 47 Minuten stehen wir dann auf dem Gipfel (2005 Meter). Wir sind schlichtweg platt. Um uns herum ein Meer von Bergen. Fern im Westen der Virihaure, im Osten das Rapaätno-Delta, im Süden klarer Blick bis zum Staika und direkt unter uns der riesige Pårte-Gletscher. Selbst der kniebedrohliche Abstieg wird  zum Genuss. Wir finden ein sehr langes und sehr steiles Schneefeld, das uns in wenigen Minuten 500 Meter tiefer bringt. Ein wahrer Geschwindigkeitsrausch packt uns, als wir auf dem Hosenboden zu Tal flitzen. 3100 Höhenmeter pro Stunde zeigt der Wandercomputer am Handgelenk an. Unten angekommen, sind wir so high (sic!), dass es lange dauert, bis wir die nassen Hosen sowie den Schnee in Taschen und Stiefeln bemerken. Wahnsinn! Sehr glücklich marschieren wir über die Hochfläche zurück zum Lager.

Tag 15: Tjeurajaure, 0 km

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 Wir haben noch einen Ruhetag übrig, und den gönnen Pfannkuchen am Tjeurajaurewir uns heute. Wir wollen noch nicht ins Tiefland zum Pårek Lapplager absteigen, wo es unumstößlich nach Abschied von den Bergen riecht. Der Ruhetag gilt im Wortsinne allerdings nicht für Almut, Annett, Irene und Joachim, die sich gestern ausgeruht haben und dafür heute auf den Påte wollen. Wir anderen beschäftigen uns heute in erster Linie kulinarisch. Wir verwöhnen uns mit Pfannkuchen und Kompott. Jawohl Kompott. Die am Vorabend in Wasser gelegten Trocken-Aprikosen finden unseren Beifall. In re-hydriertem Zustand schmecken sie fast wieder wie echt. Ansonsten genießen wir einfach den Tag, spielen ausgiebig Karten und warten auf die anderen.

Tag 16: Tjeurajaure - Pårek, 12 km

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HDurch den Säkokjåkkåeute ist unser letzter ganzer Tag in den Bergen. Es geht definitiv abwärts. Das Wetter ist dennoch prächtig, und wir haben Spaß am Furten durch den Säkokjåkkå. Wenig später führt der Weg am Südhang der Pårek Berge hinab zum Lapplager, einer verlassenen SommersieRast auf der Pårek-Ebenedlung der Samen. Hier ist alles anders. Wuchernde Vegetation. Wir sehen einen Nördlichen Eisenhut vor einer alten Kohte und stellen fest, dass wir die Farbe Lila in Natur schon sehr lange nicht mehr gesehen haben. Die ausgebaute Furt über die Seen macht uns keine ernsthaften Probleme. Wir haben jetzt wieder Bohlen unter den Füßen. Hilfreich im Sumpf, aber sehr ungewohnt für uns. Am Südrand der Seenplatte, gerade noch innerhalb der Nationalparksgrenzen, machen wir halt. Rasch sind die Zelte aufgebaut - auffälligerweise alle mit Blickrichtung Nord zu den Sarek Bergen hin. Am Abend ziehen Wolken auf, ein schmales Band spannt sich wie mit dem Lineal gezogen um die Pårekhänge. Es wird sehr frisch, und wir verziehen uns schnell in unsere Zelte.

Tag 17: Pårek - Kvikkjokk, 13 km

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Es regnet. Zum ersten Mal seit zehn Tagen regnet es wirklich. Sarek oder nicht - darauf sind wir nicht (mehr) gefasst. WiAuf dem Weg zum Kungsledenr verfolgen eine einfache, aber wirkungsvolle Strategie und bleiben so lange im Zelt, bis der Regen aufhört. Das funktioniert ganz gut. Wir packen also zusammen und schauen zurück auf den wolkenverhangenen Pårek. Ein Pärchen marschiert an uns vorbei. Wir haben Mitleid mit ihnen, denn die Sonnenscheinphase scheint beendet zu sein. Das macht uns den Abschied schon etwas leichter, und wir ziehen los nach Süden. Nach kurzer Zeit passieren wir die Nationalparksgrenze. Adieu Sarek! Der markierte Weg (so etwas hatten wir zuletzt vor 15 Tagen!) führt hinunter zum Stuor Tata See. Wir tauchen ein in den Nadelwald. Am Westufer des Sees geschieht dann etwas seltsames: Wir verlaufen uns auf einem markierten Weg! Es dauert eine weile, bis wir wieder klar kommen und schließlich den Kungsleden finden. Anscheinend sind wir markierte Wege nicht mehr gewöhnt. Der Rest des Weges ist schiereAm Ziel Kilometerfresserei unterbrochen nur von gelegentlichen Stops  an sumpfigen Stellen, wo wir leckere Multebeeren finden. Zu unserer großen Freude regnet es nicht, dafür aber ist es recht schwül. Kvikkjokk, also die Zivilisation, lockt nach 17 Tagen. Wir freuen uns auf die gemütlichen Hütten. An der Fjällstation mit der berühmten Rucksack-Waage geht die bislang längste Sarek Tour offiziell zu Ende. Mein Rucksack, der mir nach all den Tagen nur noch wie ein Day Pack vorkommt, wiegt immerhin noch erstaunliche 22 Kilo. Bei den anderen ist es nicht viel anders. Wir haben es geschafft. Nachklapp: Die 96-er Tour war schon etwas besonderes. Freundschaften sind entstanden, die die Tour längst überdauert haben. Beim Nachtreffen im Oktober waren von 14 Teilnehmern aus ganz Deutschland und der Schweiz 13 anwesend. Wenn das kein Zeichen ist!